Alte Gegner, neue Partner
Der Pokal erlaubt bisweilen Konstellationen, für die der Ligabetrieb wenig Raum lässt. So wurden an diesem Abend aus langjährigen Gegnern gemeinsame Partner – manche Partnerschaft hatte dabei offenbar einige Jahrzehnte Anlauf gebraucht. Drei ungewohnte Formationen traten für den FPC an, drei Siege standen am Ende zu Buche.
Am Montagabend, dem 24. August, hat der Frankfurter Pétanque Club im Achtelfinale des Pokalwettbewerbs den KSG Brandau besiegt und damit den Einzug in die Runde der letzten Acht perfekt gemacht. Austragungsort war die Anlage des Vereins aus Darmstadt-Arheilgen, deren Bahnen sich in ausgezeichnetem, bestens präpariertem Zustand präsentierten. Pünktlich um 18.30 Uhr konnte die Partie beginnen.
Unser ausdrücklicher Dank gilt dem Gastgeber aus Arheilgen, der seine vereinseigene Anlage für diese Begegnung zur Verfügung stellte und damit einen würdigen Rahmen für den Pokalabend schuf.
Der Ablauf folgte dem vertrauten Pokalritual: Den Auftakt bildeten die Tête-à-Têtes, ehe die Doubletten folgten und die Tripletten den Spielabend beschlossen. Auch die im Reglement verankerte Mixte-Pflicht greift im Pokal. Anders als im Ligabetrieb besteht jedoch nicht die Vorgabe, dass die beiden gemischten Formationen unmittelbar gegeneinander antreten müssen.
Für einen besonderen Moment vor dem ersten Wurf sorgten die Brandauer. Als Gastgeschenk hatten sie ihre mittlerweile beinahe legendären „Brenner Gummern“ im Gepäck: eingelegte Gewürzgurken im Glas, versehen mit einem eigens für den Spieltag gestalteten Etikett. Was zunächst wie eine kulinarische Kuriosität anmutet, ist zugleich eine originelle Variante der traditionellen Wimpelübergabe.
Die Erklärung dafür liefert die Brandauer Sprachwelt selbst. Eine missratene Kugel wird dort kurzerhand zur „Gummer“ – und wer eine wirklich schlecht gespielte Kugel produziert, darf sich folgerichtig fragen lassen: „Was is des denn für eine Gummer?“ Der KSG hatte damit bereits 2024 eine charmante Visitenkarte hinterlassen. Seither wissen wir: Von Brandau ist beim Pétanque weit weniger mit eingelegtem Gemüse als mit präzise gelegten Kugeln zu rechnen.

Dass diese Einschätzung keineswegs aus der Luft gegriffen ist, hatten Alexander Bauer und Georg Keil zuletzt eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Die beiden Brandauer hatten sich für die Deutsche Meisterschaft im Doublette qualifiziert und dort ihren Poule mit zwei Siegen souverän überstanden. Im 1/32-Finale war dann gegen Secou Camera und Thierry Béton vom Team BaWü29 Endstation – 9:13 lautete das Ergebnis.
Dabei war die Partie keineswegs vorzeitig entschieden. Nach Einschätzung der beiden Brandauer waren die Möglichkeiten zum Sieg durchaus vorhanden. Mit einem Erfolg wäre zugleich der direkte Weg in die Setzkiste für die Deutsche Meisterschaft 2027 frei gewesen. Nun führt der Weg im kommenden Jahr erneut über die Qualifikation.
Die Tête-à-Têtes erwiesen sich zu Beginn als regelrechte Achterbahnfahrt. In der Mehrzahl der sechs Partien erwischte der KSG Brandau den besseren Start und setzte den Frankfurter Pétanque Club früh unter Druck. Frankfurt benötigte einige Aufnahmen, um in den eigenen Rhythmus zu finden und die zunächst etwas fahrige Anfangsphase hinter sich zu lassen. Erst im Mittelspiel, etwa zwischen dem fünften und siebten Punkt, stabilisierte sich das Spiel der Gastgeber zusehends. Mit wachsender Sicherheit kehrte auch die spielerische Kontrolle zurück – und damit jene Routine in den entscheidenden Momenten, die gerade im Pokal den Ausschlag geben kann. Am Ende stand ein Ergebnis, das in dieser Deutlichkeit nach dem Auftakt kaum zu erwarten gewesen war: 5:1 für den FPC. Ein Resultat, das weniger von einem einseitigen Spielverlauf als von der Fähigkeit zeugte, enge Partien im weiteren Verlauf zu drehen und die sich bietenden Chancen konsequenter zu nutzen.
| 1. Frankfurter Pétanque Club | KSG Brandau | Resulat |
|---|---|---|
| Marcus Faltermann | Alexander Bauer | 13:8 |
| Pascal Sittmann | Carmen Bauer | 13:1 |
| Nicole Steinbarth | Georg Keil | 2:13 |
| Friedrich Sittmann | Franco Piergallini | 13:11 |
| Normann Maurer | Bernd Tanzer | 13:4 |
| Dieter Schwöbel | Peter Wolf | 13:7 |
In den anschließenden Doubletten wurde noch einmal kräftig durchrotiert. Ein Pokalabend bietet schließlich nicht nur Gelegenheit, um Ergebnisse einzufahren, sondern ebenso, Formationen auf ihre Belastbarkeit zu prüfen, taktische Varianten auszuloten und Spielrhythmen wie Routinen unter Wettkampfbedingungen zu festigen. Für den Frankfurter Pétanque Club ergaben sich dabei gleich mehrere bemerkenswerte Premieren.
Besonders interessant war die Formation Normann Maurer und Dieter Schwöbel. Die beiden kennen sich seit beinahe vier Jahrzehnten, haben in dieser Zeit unzählige Male gegeneinander die Kugeln geworfen, eine gemeinsame Partie für den FPC stand bislang jedoch noch nicht zu Buche. Eine jahrzehntelange sportliche Bekanntschaft fand damit gewissermaßen verspätet ihren gemeinsamen Auftritt.
Nicht minder ungewöhnlich war das Doublette Marcus Faltermann und Michael Lewicki. Bereits Ende der neunziger und zu Beginn der 2000er Jahre waren sich beide als Spieler unterschiedlicher Vereine auf den Bahnen begegnet. Gemeinsam hatten sie allerdings noch nie gespielt – weder für den FPC noch zuvor in einer vereinsübergreifenden Formation. Ihr gemeinsames Doublette war somit eine Premiere mit einiger sportlicher Vorgeschichte.
Komplettiert wurde das Frankfurter Aufgebot durch Nicole Steinbarth und Pascal Sittmann. Für sie war die Konstellation weniger experimentell: Beide hatten bereits in Bundesliga-Partien gemeinsam gespielt, bislang allerdings noch nicht im Doublette. Auch hier bot der Pokal somit die Gelegenheit, eine vertraute Partnerschaft in ein anderes taktisches Format zu überführen.
Auf Brandauer Seite war derweil erneut mit erheblicher Gegenwehr zu rechnen. Die Gäste gingen mit ihren Aufstellungen ein gutes Stück weniger Risiko ein, was die Eingespieltheit ihrer Formationen betraf. Angesichts des Zwischenstandes war die Ausgangslage zudem klar: Zwei weitere Frankfurter Siege hätten den Gesamterfolg bereits besiegelt. Entsprechend konzentriert gingen beide Seiten in die Doubletten.
Den Auftakt machte das neu formierte Duo Faltermann/Lewicki, das sich bei seinem Debüt gleich den ersten Sieg sicherte. Steinbarth/Sittmann legten nach, ehe schließlich auch Maurer/Schwöbel ihre Premiere erfolgreich krönten. Drei Doubletten, drei Siege – und damit war die Entscheidung gefallen.
| 1. Frankfurter Pétanque Club | KSG Brandau | Resultat |
|---|---|---|
| M. Faltermann | M. Lewicki | A. Bauer | G. Keil | 13:11 |
| N. Steinbarth | P. Sittmann | A. Becker | P- Wolf | 13:7 |
| N. Maurer | D. Schwöbel | A. Gerhard | B. Tanzer | 13:3 |
Beim Stand von 19:2 Spielpunkten war es an diesem Montagabend nicht mehr erforderlich, die abschließende Triplette-Runde auszutragen. Nach der ohnehin anspruchsvollen Deutschen Meisterschaft war damit auch sportlich ein Schlusspunkt gesetzt, der beiden Mannschaften die Kräfte für die unmittelbar bevorstehenden Aufgaben beließ.
Denn trotz aller Pokalstimmung eint den KSV Brandau und den Frankfurter Pétanque Club am kommenden Wochenende eine weitaus existenziellere Mission: Beide Vereine kämpfen um den Klassenerhalt. Die sportliche Rivalität des Abends wich daher zum Abschluss einem gegenseitigen Zeichen des Respekts. Die Spieler beider Mannschaften wünschten einander für die schwierige Aufgabe alles Gute und viel Erfolg.
Und wenn es am kommenden Wochenende dann wieder um jeden Punkt geht, darf man dem Gegner aus Brandau durchaus wünschen, dass ihm möglichst viele „Gummern“ unterlaufen – natürlich nur im Sinne der eigenen Erfolgsaussichten.
Am Ende wusste der Frankfurter Pétanque Club jedoch die entscheidenden Momente für sich zu nutzen und setzte sich im Achtelfinale durch.
Damit ist der Weg frei für die nächste Pokalrunde: Frankfurt steht im Viertelfinale.
Ein Abend mit gutem Sport, einer bemerkenswerten Gastgeberleistung aus Arheilgen, sympathischen Brandauern – und einer Gurke, die am Ende glücklicherweise nicht die Kugel des Abends war.

