Fundiert

Zur Taktik des Boulespiels – Grundsätzliche Überlegungen 1

Ob man sich nun dessen bewusst ist oder nicht: beim Spiel folgt man immer einer Taktik, also grundsätzlichen Überlegungen darüber, was in jeder Situation das ‚Richtige‘ ist, denn schließlich möchte man ja gewinnen bzw. den Sieg des Gegners verhindern. Dabei geht es vornehmlich darum, die Chancen und Risiken des eigenen Spielzuges abzuwägen und sich dann für den Wurf mit der größtmöglichen Aussicht auf Erfolg zu entscheiden.

Natürlich ist eine realistische Einschätzung der eigenen spieltechnischen Fähigkeiten hier von größter Bedeutung, denn was nützt es mir, den idealen Spielzug zwar benennen, aber nicht ausführen zu können…

Daneben sind noch folgende Faktoren von entscheidender Bedeutung:

  • Wie viele Kugeln habe ich noch bzw. wie viele verbleiben beim Gegner (Kugelvorteil)?
  • Wie ist die Lage der bereits gespielten Kugeln und wie viele Punkte liegen bereits bzw. sind noch erreichbar – sowohl von mir als auch vom Gegner?
  • In welcher Phase befindet sich das Spiel (Punktestand)? Kann das Spielende in dieser Aufnahme von einer der beiden Mannschaften  erreicht werden?

Im Grunde geht es ja fast immer um die Frage, ob geschossen oder gelegt werden sollte. Entscheidet man sich fürs legen, ist natürlich noch die Frage zu klären, wohin man die eigene Kugel sinnvollerweise legen soll: einfach nur möglichst nahe an die Zielkugel (cochonnet) oder nach Möglichkeit möglichst nahe vor einer gegnerischen Kugel, damit sie nicht so leicht entfernt (geschossen) werden kann oder oder oder…

Ist schießen die Option der Wahl, stellt sich hingegen die Frage, wie man am besten schießt: geht es nur darum, die gegnerische Kugel zu entfernen oder muss ein Kunstschuss dafür sorgen, dass möglichst noch eine zweite Kugel mitgerissen werden soll bzw. muss man die gegnerische Kugel so geschickt treffen, dass sie nicht noch die Zielkugel mit sich reißt oder oder oder…

Meist ist es offensichtlich, welches der optimale und gerade angezeigte Spielzug ist, aber gerade gegen Ende des Spiels – bei hohem Punktestand beider Kontrahenten – wird es doch immer wieder knifflig und die richtige Taktik ist nicht einfach zu entscheiden. Hier spielt dann auch das gegenseitige Verstehen und Vertrauen im Team eine große Rolle. Eine Mannschaft, die sich gut versteht und die harmoniert, hat hier Vorteile gegenüber einem Team, das sich über die richtige Taktik nicht einigen kann, denn die ‚Nerven‘ und die jeweilige psychische Befindlichkeit spielen im Boule eine zentrale Rolle.

Der eigene Leger wird sinnvollerweise versuchen, durch konstant gutes Legen dem gegnerischen Tireur [1] in Verzweiflung zu bringen, so dass sich die Fehlschüsse häufen‚ das nennt man dann ‚den Arm zu brechen‘. Andererseits kann es natürlich dem Tireur gelingen, dem gegnerischen Leger dasselbe anzutun, indem er jede gut gelegte Kugel sofort wieder entfernt und das sogar mit sogenannten Carreau sur place (die Schusskugel bleibt genau auf dem Platz der geschossenen Kugel liegen) garniert. Solche Situationen müssen immer erst mal ‚verdaut‘ werden und man muss damit umgehen können, dass das Spielglück nicht immer auf der eigenen Seite ist.

Die nächsten Kapitel widmen sich taktischen Betrachtungen häufiger Spielsituationen bzw. vertiefen die grundsätzlichen taktischen Erwägungen beim Boule spielen.


[1] Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird bei Personenbezeichnungen und personenbezogenen Hauptwörtern auf dieser Website die männliche Form verwendet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für alle Geschlechter