Vor einem Jahr wurden Normann Maurer, Andreas Dosch und Jörn Krause Deutsche Meister der 55+. Nun beginnt in Recklinghausen die Titelverteidigung. Für Maurer ist es eine neue Meisterschaft – und doch eine Reise zurück zu einem Erfolg, der inzwischen Geschichte ist.
Ein Jahr kann im Pétanque lang sein. Und kurz.
Vor einem Jahr standen Normann Maurer, Andreas Dosch und Jörn Krause in Berlin-Tegel am Ende eines Meisterschaftswochenendes auf dem Siegerpodest. 13:6 hieß es im Finale, der Titel des Deutschen Meisters in der Altersklasse 55+ ging nach Hessen. Für den Frankfurter Pétanque Club war es einer jener Erfolge, die bleiben.
Ein Jahr später ist von diesem Moment vor allem eines geblieben: die Erinnerung.
Denn am 12. und 13. September beginnt in Recklinghausen die nächste Deutsche Meisterschaft. Der Titel wird neu vergeben. Die drei Hessen kommen als Titelverteidiger – aber nicht mit einem Vorsprung. Die Kugeln liegen wieder bei null.
Was ein Jahr verändert
Normann Maurer dürfte mit dieser Situation vertraut sein. Er gehört zu den Spielern, für die eine Meisterschaft nicht erst dann beginnt, wenn die erste Kugel geworfen wird. Erfahrung bedeutet auch, mit dem umzugehen, was vor einem solchen Turnier passiert: mit Erwartungen, Erinnerungen und der Frage, was vom vergangenen Erfolg in die neue Aufgabe mitgenommen werden kann.
Vieles.
Und zugleich nichts.
Der Titel von Berlin kann in Recklinghausen keine Partie gewinnen. Er kann höchstens Selbstvertrauen geben. Was damals funktioniert hat, muss diesmal erneut funktionieren – unter anderen Bedingungen und gegen andere Gegner.
Das ist die eigentliche Schwierigkeit einer Titelverteidigung: Man verteidigt nicht das Ergebnis, sondern muss die Leistung wiederholen.
Maurer, Dosch und Krause
Maurer wird dabei erneut gemeinsam mit Andreas Dosch und Jörn Krause antreten. Das Trio ist eingespielt, kennt die Stärken und Schwächen des jeweils anderen und hat bereits bewiesen, dass es über die nötige Qualität verfügt, um eine Deutsche Meisterschaft zu gewinnen.
Dass der Weg dorthin auch in diesem Jahr nicht geradlinig sein wird, zeigte bereits die DM Triplette im Mai in Düsseldorf. Dort erreichten die drei das Achtelfinale und belegten am Ende Platz neun.
Es war ein gutes Ergebnis – und zugleich ein Hinweis darauf, wie eng es an der Spitze zugeht. Zwischen einem Platz im Achtelfinale und dem Kampf um die Medaillen liegen bei einer Deutschen Meisterschaft oft nur wenige Kugeln.
Maurer kennt diese Situationen. Vielleicht ist das der größte Unterschied zwischen einem erfahrenen Spieler und einem bloß erfolgreichen: Der eine weiß, dass auch ein vermeintlich kleiner Moment ein Spiel verändern kann.
Der Blick zurück nach Berlin
Berlin ist inzwischen weit genug entfernt, um Geschichte zu sein, aber nah genug, um noch als Maßstab zu dienen.
Damals war das Trio eines von vielen Teams mit Titelambitionen. Heute werden Maurer, Dosch und Krause von Beginn an anders betrachtet. Als amtierende Meister gehören sie zu den Mannschaften, die es zu schlagen gilt.
Das verändert den Blick auf das Turnier.
Sie müssen nicht zeigen, dass sie gut genug für einen Titel sind. Das haben sie bereits bewiesen. Sie müssen zeigen, dass sie die Geduld aufbringen, wieder durch ein großes Teilnehmerfeld zu gehen, schwierige Partien zu überstehen und im entscheidenden Moment die richtige Kugel zu spielen.
Gerade für Maurer dürfte das weniger eine Frage des Könnens als der Konzentration sein.
Wieder bei null
Ein Jahr danach beginnt also alles wieder von vorn.
Das Siegerfoto aus Berlin wird nicht kleiner. Der Titel bleibt. Aber Recklinghausen schreibt seine eigene Geschichte.
Für den Frankfurter Pétanque Club wäre es eine bemerkenswerte Fortsetzung des Erfolgs vom vergangenen Jahr, wenn Maurer, Dosch und Krause erneut um den Titel spielen könnten. Noch bemerkenswerter wäre es, wenn sie ihn tatsächlich wieder nach Hessen holen.
Doch bis dahin liegen viele Kugeln auf dem Weg.
Maurer weiß, dass man im Pétanque nicht auf den Ausgang des vergangenen Jahres spielen kann. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die ein Titelverteidiger mitnehmen kann.
Ein Jahr danach erinnert man sich an Berlin.
In Recklinghausen aber zählt nur das, was jetzt kommt.

