Wenn Erfahrung über Millimeter entscheidet

Leistung kennt im Pétanque keine starre Altersgrenze. Wer beim Länderpokal 55+ die Partien verfolgt, erkennt rasch, dass hier nicht verwaltet, sondern gestaltet wird – mit Präzision, taktischem Gespür und einem Selbstverständnis, das auf jahrelanger Wettkampferfahrung gründet.

Unter dem Dach des Deutschen Pétanque Verbandes treffen sich am 28. Februar und 1. März 2026 in der Boulehalle Gersweiler die besten Spielerinnen und Spieler der Altersklassen Ü55, Ü65 sowie der Damen. Gerade in diesen Begegnungen offenbart sich, wie stark gewachsene Vereinsstrukturen Qualität und Zusammenhalt fördern. Ein Wettbewerb, der zeigt: Boule ist mehr als ein Spiel – es ist gelebte Leidenschaft.

Frankfurter Präsenz im Damenkader

Im Damenkader stellt der Frankfurter Pétanque Club mit Nicole Steinbarth und Anna Neubauer gleich zwei Leistungsträgerinnen. Ihre Nominierung ist mehr als eine persönliche Auszeichnung; sie verweist auf die kontinuierliche Arbeit des Vereins im leistungsorientierten Bereich. Der FPC hat sich in den vergangenen Jahren als feste Größe im hessischen und deutschen Pétanque etabliert – mit klarer Trainingskultur, taktischer Schulung und einem hohen internen Anspruch.

Steinbarth und Neubauer stehen exemplarisch für diese Entwicklung. Beide bringen Erfahrung aus zahlreichen Turnieren mit, kennen die Dynamik enger Begegnungen und verfügen über jene Ruhe, die in entscheidenden Aufnahmen den Unterschied machen kann. Im Länderpokal, wo jede Partie in ein Gesamtgefüge eingebettet ist, gewinnt diese Verlässlichkeit besondere Bedeutung.

In zweiter Linie rückt der Verein Bornheim Boules in den Fokus. Mit Sylvia Rugar im Damenkader sowie Jörg Born im Ü65-Aufgebot der Herren ist auch Bornheim prominent vertreten. Der Verein steht seit Jahren für solide Aufbauarbeit und eine bemerkenswerte Breite im Seniorenbereich.

Rugar bringt strategische Übersicht und Wettkampfroutine ein, Born ergänzt das Ü65-Team mit Erfahrung und Spielverständnis. Dass Bornheim in zwei Alterssegmenten präsent ist, unterstreicht die nachhaltige Vereinsarbeit.

Weitere Nominierungen im Überblick

Der Leistungssportausschuss um Marcel Bomsdorf, Frank Schamber und Florian Besinger nominierte nach dem Kaderturnier folgende Spielerinnen und Spieler:

Kader Ü55:
Hagen Völker und Jörn Krause (beide PSG Rüsselsheim), Andreas Dosch (Disbu Rüsselsheim) sowie Wolfgang Landgrebe (BC Cassel).

Kader Ü65:
Peter Weise (LBJ Wiesbaden), Frank Lückert (PSG Rüsselsheim), Willi Lautenschläger (TV Crumstadt) sowie Jörg Born (Bornheim Boules).

Damenkader:
Nicole Steinbarth und Anna Neubauer (beide FPC Frankfurt), Sylvia Rugar (Bornheim Boules) sowie Bettina Kuntze (Disbu Rüsselsheim).

Diese Zusammensetzung verdeutlicht die Leistungsdichte im hessischen Pétanque. Gleichwohl fällt auf, dass Frankfurt – insbesondere im Damenbereich eine prägende Rolle übernimmt.

Leistungskultur statt Nostalgie

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Der Länderpokal 55+ ist kein Seniorentreffen im geselligen Sinne, sondern ein Wettbewerb mit klarem Leistungsanspruch. Stundenlange Begegnungen auf anspruchsvollem Terrain fordern Stabilität, Konzentration und taktische Disziplin. Gerade in den Formaten Doublette und Triplette ist Abstimmung entscheidend.

Die Partien verlaufen häufig eng. Eine zu kurz geratene Kugel, ein riskanter Schuss – und das Kräfteverhältnis kippt. Wer in solchen Momenten die Übersicht bewahrt, verfügt über mehr als Technik. Er oder sie besitzt jene Spielintelligenz, die sich nur über Jahre entwickelt. Dass Spielerinnen des FPC hier eine tragende Rolle übernehmen, ist Ausdruck gewachsener Strukturen.

Das Rhein-Main-Gebiet als Pétanque-Standort

Der Blick auf die Nominierungen erlaubt auch eine übergeordnete Beobachtung: Das Rhein-Main-Gebiet etabliert sich zunehmend als leistungsstarker Standort im hessischen Pétanque. Mit dem Frankfurter Pétanque Club als Aushängeschild und Bornheim Boules als stabiler Größe im Hintergrund entsteht ein Geflecht, das Nachwuchs fördert und erfahrene Spieler langfristig bindet.

Im Länderpokal 55+ verdichtet sich diese Entwicklung. Die Frankfurter Handschrift ist erkennbar – im ruhigen Auftreten, in der taktischen Disziplin, im Selbstverständnis, Leistung auch im fortgeschrittenen Alter einzufordern. Es geht nicht um eine Verlängerung sportlicher Aktivität um jeden Preis, sondern um die bewusste Fortführung eines hohen Anspruchs.

Über Frankfurt hinaus wird deutlich, dass das Rhein-Main-Gebiet insgesamt zu den tragenden Säulen des hessischen Pétanque zählt. Mit Vereinen wie dem Frankfurter Pétanque Club, Bornheim Boules, der PSG Rüsselsheim, Disbu Rüsselsheim, LBJ Wiesbaden oder dem TV Crumstadt bündelt die Region Erfahrung, Leistungsbereitschaft und organisatorische Stabilität. Die Wege zwischen den Spielorten sind kurz, der sportliche Austausch ist intensiv, die Konkurrenz belebt das Niveau. Kaderturniere, Ligaspiele und offene Wettbewerbe sorgen für regelmäßige Vergleichsmöglichkeiten – ein dichtes Netz, das Qualität hervorbringt. Der Länderpokal 55+ wirkt insofern auch wie ein Schaufenster regionaler Stärke: Was hier aufläuft, ist das Resultat kontinuierlicher Vereinsarbeit im Rhein-Main-Gebiet, das sich längst als eines der leistungsfähigsten Zentren des hessischen Pétanque etabliert hat.

Präzision als Haltung

Am Ende bleiben die Bilder vom Kiesplatz: konzentrierte Blicke, kurze Absprachen, das metallische Geräusch aufeinandertreffender Kugeln. Der Länderpokal 55+ zeigt, dass sportliche Qualität nicht an Lebensphasen gebunden ist. Und er zeigt, dass Vereine wie der Frankfurter Pétanque Club diese Qualität systematisch kultivieren.

So wird der Länderpokal 55+ zu mehr als einem Vergleich der Bundesländer. Er ist auch ein Spiegel regionaler Vereinsarbeit. Und in diesem Spiegel erscheint Frankfurt in diesem Jahr besonders deutlich.

Abschließend bleibt der hessischen Auswahl nur eines zu wünschen: Fortune und die nötige Gelassenheit in den entscheidenden Momenten. Die Qualität des Aufgebots, nicht zuletzt getragen von der Stärke der Rhein-Main-Vereine, ist unbestritten. Wenn Präzision, taktische Disziplin und mannschaftliche Geschlossenheit zusammenfinden, ist vieles möglich. Vielleicht gelingt es, die konstante Aufbauarbeit der vergangenen Jahre mit dem größtmöglichen Erfolg zu krönen – und den Titel beim Länderpokal 55+ nach Hessen zu holen.